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Im Jahr 1973 bekam ich von unserem Zeitschriftenhändler ein Werbeposter des Williams Verlags. Mein Vater hatte bereits eine stattliche Comic-Sammlung: Asterix, Tim und Struppi und illustrierte Klassiker, sowie die so genannten Piccolos des Lehning Verlags (Sigurd, Tibor, Falk etc...) waren meinem Bruder und mir bereits bekannt.


Aber was ich dort auf dem Poster sah verschlug mir den Atem:
Menschen aus Stein oder Flammen, grünhäutige Goliaths, hammerschwingende oder schildbewehrte Recken... oder jene seltsame Figur in rot/blau welche ohne Seil und Haken die Wände hochklettern konnte...Das war meine Welt!!! (Obwohl ich auch niemals die Liebe zu 2, uns wohlbekannten, gallischen Freunden verlor :-)


Oh ich glücklicher, ich auserwählter! Konnte ich nun, erstmals in deutscher Sprache, chronologisch die Abenteuer mutiger, amerikanischer ( Super- ) Helden mitverfolgen. Meine augenblicklichen Favoriten waren "Die Spinne" und "Die fantastischen Vier", welche 2 x im Monat erschienen.


Kein Problem: Mit 5 DM Taschengeld im Monat konnte ich den Beiden damals 1,20 DM kostenden Serien, lückenlos folgen. Als der Verlag 1 Jahr später den Preis auf 1,30 DM erhöhte sah ich mich in einer beunruhigenden Finanzkrise wieder, welche nur mein erstes Männergespräch mit meinem Vater (bzgl. Taschengelderhöhung) bereinigte. :-)


Geburtstage, Ostern, Weihnachten oder der Besuch solventer Omis und Tanten ermöglichten es mir auch in die anderen Serien wie "Thor", "Hulk", die "Rächer" oder "Der Eiserne" rein zu schnuppern. Glücklicherweise gab es zu jener Zeit einen großen Flohmarkt am Rheinufer, keine 2 Minuten von der Brauerei "Uerige" entfernt.


Man kann sich heute kaum noch ausmalen welche immense Finanzkraft damals 10 Mark auf dem Trödelmarkt bedeuteten. Dennoch brauchte mein akribischer, aber zügiger Sammlersinn nicht einmal eine Stunde um diese enorme Summe in eine voll gepackte Tüte " Dauergrinsen" einzutauschen. Dennoch: Das Timing war perfekt!


Reichte diese Stunde doch aus meinen Vater inmitten seiner Herrenrunde schon mit 4 Strichen auf seinem Deckel wieder zu finden. Entweder jene Striche, das Endorphin spendende Traumwetter, oder sein Verständnis für meine euphorische Sammelleidenschaft, ließen mich ein weiters mal mit der äußerst respektablen Summe von 10 DM auf dem Flohmarkt wieder finden. Ein paar Sommer später nannte ich lückenlos das gesamte deutschsprachige Marvel-Universum mein Eigen!

 

Heute kann ich mir lebhaft vorstellen wie sehr ich meine arme Mutter beinahe zu Tode genervt habe, bis ich endlich mein eigenes Spider-man Kostüm genäht bekam. Alleine für die Handschuhe brauchte sie womöglich eine halbe Ewigkeit.

 

NIC_SPIDERMAN


Wer erinnert sich denn noch an die "Kobra" Hefte der siebziger Jahre? Die wunderbaren Acryl-Gemälde eines Don Lawrence (unter anderem: Trigan, Storm) mit 8 Seiten inmitten diese Fortsetzungs-Comics (7 Serien von je 2,5 - 8 Seiten) ließen mich auf die ausgebuffte Idee kommen, überall im Wohnzimmer die bei "Trigan" aufgeschlagenen Kobras rum liegen zu lassen. Die leicht durchschaubare Manipulation des "Pater Familias" verfehlte nicht ihre Wirkung: "Römer mit Laserpistolen? Zeig mal her" brachten mir einen langjährigen Sponsor für die gesamte Kobra Reihe, denn mein Dad war "hooked".

Rund 10 Jahre später stieg ich auf die U.S. Comics um und einige Jahre später konnte ich mein Abi in Englisch mit 1- abschließen. Das Minus gab’s wegen einer mündlichen Prüfung in dem meine Lehrer mir einen "New Yorker Dialekt" unterstellten. Klar, das einzige büffeln fürs Englisch bestand in einem inflationären Konsum von amerikanischen Marvel-Comics - und das bei einem Umrechnungskurs von 1$ = 4 DM!!! in der Bahnhofsbuchhandlung. Meine damaligen Pauker können froh sein, dass ich sie, bei eben dieser mündlichen Prüfung, nicht mit Sound-Worten wie "Boom!" und "Wham!" bombardiert habe. :-)


Während meines Studiums besserte ich meine klammen Finanzen in dem ersten Düsseldorfer Comic Laden auf: C.O.M.-Comics (Gruß an Iris und Rolf). Dann ergab sich etwas was viele als "American Dream" bezeichnen würden: Von Gelegenheits-Jobs zur regelmäßigen Aushilfe, über den Angestellten zum Teilhaber (U.S. Importe), war es nur noch ein kurzer Schritt zum ersten eigenen Laden (es sollten bald 2 weitere folgen, aber das ist eine andere Geschichte).


So bin ich heute in der überaus beneidenswerten Lage seit über 20 Jahren meine Begeisterung für Batman und Co mit Seelengenossen zu teilen. Es ist so toll viele meiner ersten Abonnenten auch heute noch, nach über 20 Jahren, zu meinen Kunden und Freunden, zu zählen. Tauschen würde ich meinen Job mit Niemandem, außer vielleicht mit Hugh Heffner.

:o)